Universität Zürich Soziologisches Institut der Universität Zürich Prof. Dr. Hans Geser

 
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       Sociology in Switzerland

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Die quantitative Bestimmtheit der Gruppe  

2. Teil

1. Teil ¦ 2. Teil ¦ 3. Teil ¦ 4. Teil

 

ex: Georg Simmel: Soziologie. Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung. Duncker & Humblot Verlag, Berlin 1908 (1. Auflage). Kapitel II, S. 32-100.

Es liegt nun auf der Hand, dass die Begriffe: grosser und kleiner Kreis — von ausserordentlicher wissenschaftlicher Roheit sind, durchaus unbestimmt und verschwimmend und eigentlich nur anwendbar, um überhaupt die Abhängigkeit des soziologischen Formcharakters einer Gruppe von ihren Quantitätsbestimmungen nahe zu legen — nicht aber, um irgendwie genauer die wirkliche Proportion zu zeigen, die zwischen dem ersteren und den letzteren besteht.

Dennoch ist es vielleicht nicht für alle Falle ausgeschlossen, diese Proportion exakter zu erkennen. In die bisher betrachteten Formungen und Beziehungen freilich genaue Zahlenwerte einzusetzen, wäre ersichtlich für jede absehbare Entwicklung unseres Wissens ein völlig phantastisches Unternehmen; aber in bescheideneren Grenzen lassen sich doch schon jetzt Züge derjenigen Vergesellschaftungen anführen, die zwischen einer begrenzten Zahl von Personen stattfinden und durch diese Begrenzung charakterisiert werden.

Als Uebergänge aus der völligen numerischen Unbestimmtheit zu der völligen numerischen Bestimmtheit erwähne ich einige Fälle, in denen die letztere zwar prinzipiell schon von einiger soziologischer Bedeutung ist, aber ohne dass eine Fixierung derselben im einzelnen erfolgte.

1. Die Zahl wirkt als Einteilungsprinzip der Gruppe, d. h. es werden Teile derselben, die durch Abzählung her. gestellt sind, als relative Einheiten behandelt.

Die besonderen Bedeutungen einzelner Zahlen hierfür erörtere ich später und hebe hier ( ->46) nur das Prinzip hervor. 

Dass eine Gesamtgruppe, die sich irgendwie als eine fühlt, sich überhaupt einteilt, und zwar nicht nur von oben nach unten, nach dem Masse von Herrschen und Beherrschtwerden, sondern auch innerhalb ihrer koordinierten Glieder—das ist einer der ungeheuersten Fortschritte der Menschheit; es ist die anatomische Struktur, mit der die höheren, organisch-sozialen Prozesse fundamentiert werden.

Die Einteilung kann nun von der Abstammung ausgehen oder von gewillkürten Schwurgenossenschaften oder von der Gleichartigkeit der Beschäftigungen oder von der Zusammenfassung nach lokalen Bezirken; diesen Prinzipien schliesst sich das numerische an, das die Masse der vorhandenen Männer oder Familien durch eine bestimmte Zahl dividiert und so lauter quantitativ gleiche Unterabteilungen gewinnt, zu jeder von denen sich das Ganze ungefähr so verhält, wie sie selbst zu ihren Individuen.

Nun ist dies Prinzip freilich so schematisch, dass es sich zu seiner Verwirklichung noch ein konkreteres heranziehen muss: die zahlgleichen Abteilungen waren aus einander irgendwie Nahestehenden: Verwandten, Freunden, Nachbarn zusammengesetzte, aus entweder Gleichen oder durch Ungleichheit sich Ergänzenden.

Das Entscheidende aber ist, dass die numerische Gleichheit das Formprinzip der Einteilung ausmacht —wenngleich es niemals allein entscheidet, sondern nur eine von der grössten bis zur kleinsten wechselnde Rolle spielt.

Nomadische Stämme z. B. haben überhaupt oft mangels sonstiger stabiler Lebensinhalte kaum eine andere Möglichkeit, sich zu organisieren, als nach dem Zahlprinzip; seine Bedeutung für eine auf dem Marsch befindliche Menge bestimmt noch heute den Aufbau des Militärs.

Sie setzt sich naturgemäss darin fort, dass oft bei der Aufteilung eines eroberten oder der Kolonisation eines neu entdeckten Landes—wo es also vorerst noch an sachlichen Massstäben der Organisierung fehlt — das Prinzip der Zusammenschliessung nach zahlgleichen Abteilungen obenan steht; z. B. die älteste Verfassung von Island ist davon beherrscht.

In sehr reiner Art hat die Reform des Kleisthenes mit diesem Prinzip eine der grössten sozialgeschichtlichen Neuerungen vollbracht.

Als er den Rat von 500 Mitgliedern einsetzte, je 50 aus jeder der 10 Phylen, erhielt jeder Demos eine seiner Kopfzahl entsprechende Zahl von Ratsherrnstellen.

Der rationale Gedanke, eine Vertretungskörperschaft aus der Gesamtgruppe rein nach dem Zahlprinzip herzustellen, tritt hier als die höhere Entwicklungsstufe über die typische >Hundertschaft<—von der nachher zu sprechen ist—und benutzt zum ersten Male das Mittel der rein numerischen Einteilung, um die Regierungseinheit als das Symbol der Bevölkerung funktionieren zu lassen.

2. Während es sich bisher um Zahlgleichheit verschiedener Abteilungen handelt, kann die Zahl weiterhin benutzt werden, um aus einer Gesamtgruppe einen einzelnen, und zwar führenden Kreis von Personen zu charakterisieren.

So benannte man vielfach die Zunftvorsteher nach ihrer Zahl: in Frankfurt hiessen sie bei den Wollwebern die Sechse, bei den Bäckern die Achte; im mittelalterlichen Barcelona hiess der Senat die Einhundert usw. Es ist äusserst merkwürdig, ( ->47) wie mit dem an sich Unbezeichnendsten, der gegen jede Qualifikation völlig gleichgültigen Zahl, gerade die hervorragendsten Persönlichkeiten bezeichnet werden.

Die Voraussetzung dafür scheint mir, dass mit einer Zahl, etwa mit sechs, ja nicht 6 einzelne, isoliert nebeneinanderstehende Elemente gemeint sind, sondern eine Synthese dieser; sechs ist nicht 1 und 1 und 1 usw., sondern ein neuer Begriff, der sich aus dem Zusammenkommen dieser Elemente ergibt und nicht pro rata in jedem derselben für sich realisiert ist.

Ich bezeichne in diesem Buche die lebendige, funktionelle Wechselwirkung von Elementen oft als ihre Einheit, die sich über ihrer blossen Summe und im soziologischen Gegensatz zu dieser erhübe.

Hier aber ist bei der Benennung einer Vorsteherschaft, eines Ausschusses u. a. mit der blossen Summe in Wirklichkeit jenes funktionelle Zusammen gemeint, und sie ist als Benennung eben dadurch möglich, dass die Zahl auch schon eine Einheit aus Einheiten bedeutet.

Die Sechse sind in dem angeführten Falle doch nicht durch einen homogenen Kreis hin verstreut, sondern sie bedeuten eine bestimmte und feste Gliederung des Kreises, durch welche sechs Personen aus ihm hervorgehoben werden und zu einer führenden Einheit zusammenwachsen.

Das charakterlos Impersonale der Benennung durch die Zahl ist hier gerade äusserst charakteristisch; denn sie bezeichnet entschiedener, als irgendein weniger formaler Begriff es konnte, dass hiermit keine Individuen als Personen gemeint sind, sondern dass es ein rein soziales Gebilde ist: die Struktur des Kreises fordert eine bestimmte Quote desselben als Führerschaft, in dem rein numerischen Begriff liegt die reine Objektivität der Formung, die gegen alles Persönliche des einzelnen Mitgliedes gleichgültig ist und nur verlangt, dass es eben eines von den Sechsen ist.

Es gibt vielleicht gar keinen wirkungsvolleren Ausdruck, um mit der sozialen Hochstellung von Individuen zugleich die völlige Irrelevanz dessen, was sie als Personen ausserhalb dieser Funktion sind, auszudrücken.

Die Gruppierungseinheit, die sich in der Zusammenfassung von Elementen zu einer höheren Zahl offenbart, wird besonders stark durch eine scheinbare Gegeninstanz betont. Jener Senat von Barcelona, der die Einhundert hiess, hatte schliesslich in Wirklichkeit mehr und bis zu 200 Mitgliedern, ohne darum seinen Namen zu ändern.

Dieselbe Erscheinung tritt auf, wenn die Zahl nicht als Hervorhebungs-, sondern als Einteilungsprinzip wirkt. Wo die nachher zu behandelnde Einteilung der Bevölkerung nach Hundertschaften bestand, wurde wohl nirgends auf genaue Einhaltung dieser Mitgliederzahl der Abteilung gehalten.

Von den altgermanischen Hundertschaften wird dies ausdrücklich berichtet. Die Zahl wird hier also unmittelbar zum Synonym des sozialen Gliedes, das zuerst gerade einen solchen Kreis von Einzelnen einschloss oder einschliessen sollte.

Dies unscheinbare Faktum zeigt die ungeheure Bedeutung der Zahlbestimmtheit für die Struktur der Gruppe. Die Zahl wird sogar von ihrem arithmetischen Inhalt unabhängig, sie zeigt nur, dass die Relation der Glieder zu dem Ganzen eine numerische ist, oder: die stabil gewordene Zahl vertritt dies Relation. ( -> 48)

Es bleibt gleichsam die Idee der Abteilung, aus hundert Elementen zu bestehen, während die empirischen Verhältnisse diese nur mehr oder weniger genau verwirklichen.

Wenn man von den germanischen Hundertschaften gesagt hat, sie sollten eben nur eine unbestimmt grosse Vielheit zwischen den einzelnen und der Allheit der Genossen ausdrücken—so bezeichnet dies gerade den behaupteten soziologischen Typus: das Leben der Gruppe fordert eine Mittelinstanz zwischen dem Einen und den Allen, einen Träger bestimmter Funktionen, die weder jener noch diese leisten können, und das zu diesen Aufgaben designierte Gebilde wird eben nach seiner numerischen Bestimmtheit benannt.

Nicht die Funktionen geben den Namen, weil sie mannigfaltige und abwechselnde sind, das Bleibende ist nur die Zusammengefasstheit eines aliquoten Teiles der Gesamtheit zu einer Einheit. Wie gross dieser Teil jedes Mal ist, mag ungewiss sein; die dauernde Zahlbenennung zeigt, dass das numerische Verhältnis überhaupt als das Wesentliche empfunden wurde.

Es tritt damit auf sozialem Gebiet ein Vorgang auf, dessen psychologische Form sich auch anderwärts zeigt. Die russischen Münztypen sollen von einem alten Gewichtssystem abgeleitet sein, derart, dass jeder höhere Typus das Zehnfache des niederen enthielt.

Tatsächlich aber wechselten häufig nicht nur die absoluten, sondern auch die relativen Metallgehalte der Münzen— wobei aber ihre Wertverhältnisse, nachdem sie einmal in die numerische Ordnung gebracht waren, doch konstant blieben.

Während also die realen Metallwertrelationen sich verschieben, wird der Dienst, den sie dem Verkehr durch die Konstanz dieser Nennwertrelationen zu leisten haben, damit markiert, dass die historisch ersten Gewichtsverhältnisse dauernd Namen und Symbol für diese letzteren abgeben.

Auch sonst wird die Zahl zum Vertreter der Sache, die sie zählt, und dann wird das Wesentliche: dass es sich um eine Relation zwischen dem Ganzen und einem Teile handelt, dadurch bezeichnet, dass der Zahlbegriff der frühesten Relationen alle späteren Änderungen deckt.

So hiess die Steuer von Metallschürfungen in Spanien im 16. Jahrhundert der Quinto, weil sie ein Fünftel des Wertes betrug; und sie behielt diesen Namen später auch bei ganz andren Proportionen.

So kam das Wort Zehnt schon bei den alten Israeliten und sonst vielfach zu der Bedeutung von Abgabe schlechthin — wie Hundertschaft zu der von Abteilung schlechthin.

Dass die quantitative Relation, die ebenso das Wesen der Steuer wie der sozialen Einteilung ist, psychologisch über ihre inhaltliche Besonderheit Herr geworden ist, erweist sich am entschiedensten daran, dass die ursprüngliche numerische Bestimmung zur Bezeichnung aller Modifikationen des Verhältnisses kristallisiert.
3. Die Zahlbestimmtheit als Organisationsform nimmt innerhalb der gesellschaftlichen Entwicklung eine typische Stelle ein.

Es tritt nämlich die numerische Einteilung historisch als Ersatz des Sippschaftsprinzips auf.

Es scheint, dass an vielen Stellen die Gruppen zuerst aus verwandtschaftlich zusammengehaltenen Untergruppen bestanden hätten, deren jede in wirtschaftlicher, strafrechtlicher, ( -> 49) politischer und andrer Hinsicht eine Einheit bildete, dass diese innerlich sehr wohl begründete Organisation durch die Zusammenschweissung von je zehn oder hundert Männern zu eben jenen solidarischen Leistungen ersetzt wurde—kann zuerst als eine wunderliche Veräusserlichung, eine des inneren Lebens ganz entbehrende Schematisierung erscheinen.

Man würde auch in den immanenten zusammenhaltenden Prinzipien dieser Gruppe vergebens nach einer Rechtfertigung dafür suchen, dass jenes wurzelhaft-organische durch dieses mechanisch-formalistische abgelöst wurde.

Der Grund dafür kann vielmehr nur in dem Ganzen liegen, das sich aus solchen Abteilungen zusammensetzt und Forderungen stellt, die den Lebensprinzipien seiner Teile gegenüber selbständig sind.

In dem Mass, in dem das Ganze als Einheit inhaltreicher und kräftiger wird verlieren die Teile — wenigstens zunächst und unterhalb der höchsten Entwicklungsstufe—ihre eigene Bedeutung; sie geben den Sinn, den sie in und für sich selbst besassen, an das Ganze ab und sind jetzt um so zweckmässiger, je weniger eine sich selbst genügende Idee in jedem von ihnen lebt, und je mehr sie als charakterlose Teile nur durch ihren Beitrag zum Ganzen eine Position und Bedeutsamkeit zurückempfangen.1)

Bei gewissen vervollkommnetsten Typen der Entwicklung trifft dies nicht zu. es gibt soziale Gebilde, die gerade bei erheblichster Grösse und vollkommenster Organisation dem individuellen Element die grösste Freiheit gewähren können, sich nach besonderen Normen und in eigensten Formen auszuleben; andrerseits solche, die gerade erst unter der Bedingung des gesteigertsten und differenziertesten Eigenlebens ihrer Elemente die höchste Gesamtkraft erreichen.

Der Uebergang von der Sippschaft zur Hundertschaft aber scheint jenes mittlere Stadium zu bezeichnen, in dem die innere Sinn- und Charakterlosigkeit der Glieder einen Fortschritt für das Ganze bedeutet; denn nur so waren sie unter den gegebenen Umständen leicht überschaubar, nach einfachen Normen lenkbar und ohne jenen Widerstand gegen die Zentralgewalt, der sich bei stärkerer innerer Zusammengehörigkeit jeder Untergruppe gar zu leicht einstellt.

Wo die Verfassung oder Aktion der Gruppe zahlenmässig bestimmt ist — von der alten Hundertschaft bis zu der modernen Herrschaft der Majoritäten—liegt eine Vergewaltigung der Individualität vor; es ist ein Punkt, an dem die tiefe innere Diskrepanz zwischen dem eigentlich demokratischen und dem liberal-individualistischen Gesellschaftsgedanken sehr rein in die Erscheinung tritt.

Dass man mit dieser ohne jede Rücksicht auf die Besonderheiten der darin befassten Individuen operiert; dass man die Stimmen zählt und nicht wägt; dass Einrichtungen, Gebote und Verbote, Leistungen und Gewährungen, von vornherein auf eine bestimmte Anzahl von Personen festgelegt sind—das ist entweder despotisch oder demokratisch, in jedem Fall aber eine Herabsetzung des eigentlichen und ganzen Inhaltes der Einzelpersönlichkeit auf die formale Tatsache, (->50) dass sie eben eine ist; indem sie eine Stelle in einer nur durch die Zahl bestimmten Organisation einnimmt, ist ihr Charakter als Glied der Gruppe völlig Herr über ihren individuell differenzierten Charakter geworden.

Mag die Einteilung in numerisch gleiche Untergruppen nun so roh und in der Praxis fortwährend modifiziert sein wie in den Hundertschaften der Germanen, der Peruaner, der Chinesen, oder so verfeinert, zweckmässig und exakt wie in einer modernen Armee — immer zeigt sie aufs klarste und unbarmherzigste die für sich seiende Formgesetzlichkeit der Gruppe, dort als neu auftauchende Tendenz, die noch mit anders gerichteten in stetem Krampf und Kompromiss stand, hier in absoluter Durchgesetztheit.

Das Ueberindividuelle der Gruppierung, die völlige Verselbständigung ihrer Form gegenüber jedem Inhalt der Einzelexistenz, lebt nirgends absoluter und nachdrücklicher, als in der Reduktion der Organisationsprinzipien auf rein arithmetische Verhältnisse; und das Mass der Annäherung an diese, wie es sehr mannigfaltig in den verschiedensten Gruppen auftritt, ist zugleich das Mass, in dem der Gruppierungsgedanke in seiner abstraktesten Form der Individualität seiner Faktoren aufgesogen hat.

4. Endlich knüpfen sich wichtige soziologische Folgen an numerische Bestimmtheit—wenngleich die wirksamen Quantitäten der Elemente je nach den Umständen ganz verschiedene sein können,—gelegentlich eines Typus, den die "Gesellschaft" im Sinne der modernen Geselligkeit exemplifiziert.

Wie viel Personen muss man einladen, damit es eine "Gesellschaft" sei?

Die qualitativen Beziehungen zwischen Wirt und Gästen entscheiden darüber ersichtlich nicht; und die Einladung von zwei oder drei Personen, die uns völlig formell und innerlich beziehungslos, bringt noch keine »Gesellschaft« zustande—während dies doch geschieht, wenn wir etwa die fünfzehn uns nächstbefreundeten Menschen zusammenladen.
Die Zahl bleibt immer das Entscheidende, obgleich ihre Grosse im einzelnen Falle natürlich von der Art und der Enge der Relationen zwischen den Elementen abhängig ist.

Die drei Umstände: die Beziehungen des Wirtes zu jedem der Gäste für sich, die der Gäste untereinander, die Art, wie jeder Teilnehmer alle diese Beziehungen subjektiv empfindet - —bilden die Basis, auf der nun die Teilnehmerzahl entscheidet, ob eine Gesellschaft oder ein blosses Beisammensein — freundschaftlicher oder sachlich-zweckbestimmter Art — vorliegt.

Es bringt hier also jedesmal eine numerische Modifikation einen sehr sicher empfundenen Umschlag in eine ganz besondere soziologische Kategorie hervor—so wenig das Mass dieser Modifikation mit unseren psychologischen Mitteln festzulegen ist.
Aber wenigstens die qualitativ-soziologischen Folgen der quantitativen Veranlassung sind einigermassen beschreibbar.

Zunächst fordert die »Gesellschaft« einen ganz spezifischen äusseren Apparat. Wer aus einem Bekanntenkreise von etwa 30 Personen immer je einen oder zwei einlädt, mag »gar keine Umstände machen«.

Lädt er aber alle 30 zu gleicher Zeit ein, so entstehen sofort ganz neue Ansprüche in bezug auf Essen, Trinken, ( -> 51) Toilette, Formen des Benehmens, ein ausserordentlich gesteigerter . Aufwand nach der Seite des sinnlich Reizvollen und Geniessbaren.
Dies ist ein sehr reines Beispiel dafür, wie erheblich das blosse Massebilden das Niveau der Persönlichkeiten sinkt.

In einem Zusammensein ganz Weniger ist eine derartige gegenseitige Anpassung möglich, die Gemeinsamkeiten, die den Inhalt ihrer Geselligkeit ausmachen, können so umfassende oder so hoch gelegene Teile ihrer Individualitäten einschliessen, dass das Beisammen den Charakter der Geistigkeit, der differenzierten und höchst entwickelten seelischen Energien trägt.

Je mehr Personen zusammenkommen, desto geringer wird die Wahrscheinlichkeit, dass sie in jenen wertvolleren und intimeren Wesensseiten koinzidieren, desto tiefer muss der Punkt gesucht werden, der ihren Antrieben und Interessen gemeinsam ist.2)
In demselben Masse aber, in dem die Quantität der Elemente dem höheren Individuell-Seelenhaften keine Stätte mehr gibt, muss man das Manko dieser Reize durch Steigerung der äusserlichen und sinnlichen auszugleichen suchen.

Zwischen der Vielheit festlich zusammenbefindlicher Personen und dem Luxus, der blossen Sinnenfreude ihres Zusammen hat stets ein engster Konnex bestanden; ausgangs des Mittelalters z. B. nahm der Luxus bei Hochzeiten schon nur durch das Gefolge, das die Brautpaare begleitete, so zu, dass die Behörden unter ihren Luxusgesetzen manchmal genau verordneten, aus wie vielen Personen höchstens die Begleitung bestehen dürfte.

Wenn Essen und Trinken von jeher das Vereinigungsmittel weiter Kreise ist, für die eine einheitliche Stimmung und Interessiertheit andrer Richtung schwer erreichbar wäre, so wird nun eine »Gesellschaft« rein wegen ihres Quantitätsmomentes, das die Gemeinsamkeit und Wechselbeziehung der feineren und geistigeren Stimmungen ausschliesst, diese sensuellen und deshalb mit grösserer Sicherheit Allen gemeinsamen Freuden um so stärker betonen müssen.

Eine weitere Charakteristik der »Gesellschaft« auf Grund ihrer numerischen Differenz gegen das Beisammensein Weniger liegt darin, dass eine völlige Einheitlichkeit der Stimmung wie bei den letzteren überhaupt nicht erreicht werden kann und auch nicht soll, dass dagegen, zu weiterem Unterschied, die Bildung von Teilgruppen nahe gelegt ist.

Das Lebensprinzip eines freundschaftlichen Beisammenseins weniger Personen widerstrebt aufs äusserste ( ->52) der Aufteilung etwa in zwei Sonderstimmungen, ja auch nur Sondergespräche, die "Gesellschaft" ist in dem Augenblick da wo statt ihres unbedingt einen Zentrums eine Doppelbett entsteht: einerseits eine allgemeine, aber nur ganz lockere Zentralität, die im wesentlichen nur äusserlich, ja räumlich fundiert ist — weshalb denn Gesellschaften der gleichen sozialen Schicht, je grösser sie sind, um so mehr als Ganze einander gleichen, so mannigfaltig auch ihr Personenwechsel sei; andrerseits spezielle kleine Zentren gemeinsamer Unterhaltung, Stimmung, Interessiertheit, die aber ihre Teilnehmer unaufhörlich austauschen.

Dadurch entsteht jener fortwährende Wechsel von Engagiertheit und Lösung in der grossen Gesellschaft, der je nach dem Naturell des Subjektes bald als die unerträglichste Oberflächlichkeit, bald als ein spielender Rhythmus von hohem ästhetischem Reize empfunden wird.

Diesen formal- soziologischen Typus zeigt der Ball mit der Art des modernen Tanzes in ganz reinem Beispiel: eine momentane Beziehung je eines Paares von eigentlich wunderlicher Enge, zu einem ganz neuen Gebilde durch steten Wechsel unter den Paaren gestaltet; jene physische Enge zwischen einander ganz fremden Personen einerseits dadurch ermöglicht, dass alle die Gäste eines Wirtes sind, der, so locker das Verhältnis zu ihm sein mag, eine gewisse gegenseitige Sicherung und Legitimierung gewährt, andrerseits durch den unpersönlichen, sozusagen anonymen Charakter der Beziehungen, den die Grösse der Gesellschaft und der mit ihr verbundene Formalismus des Benehmens ergibt.

Ersichtlich sind diese Züge der grossen Gesellschaft, die der Ball gleichsam in Sublimierung, ja vielleicht in Karikatur darstellt, an eine bestimmte Mindestzahl von Teilnehmern gebunden; und man kann manchmal die interessante Beobachtung machen, dass ein intimer Kreis weniger Personen durch eine einzige hinzukommende den Charakter der »Gesellschaft« erhält.

In einem Falle, der freilich ein weit weniger kompliziertes Menschenmaterial betrifft, scheint die Zahl, die ein bestimmtes soziologisches Einheitsgebilde erzeugt, etwas fester gelegt.
Die patriarchalische Hausfamilie zählt in den verschiedensten Gegenden immer 20 bis 30 Köpfe, und zwar auch unter ganz ungleichen ökonomischen Bedingungen, so dass diese nicht oder wenigstens nicht ausschliesslich die Zahlgleichheit verursachen können.

Es ist vielmehr wahrscheinlich, dass die inneren Wechselwirkungen, die das besondere Gebilde der Hausfamilie ausmachen, die für dieses erforderten Proportionen von Enge und Weite nur gerade innerhalb jener Grenze erzeugen. Ueberall war die patriarchalische Familie durch eine grosse Intimität und Solidarität charakterisiert, die in dem pater familias ihr Zentrum hatte, durch die Bevormundung, die dieser sowohl im Interesse des Ganzen wie in seinem egoistischen über die Angelegenheiten jedes einzelnen übte.

Daraus ergab sich die obere Grenze: diese Art des Zusammenhanges und der Kontrolle scheint auf der entsprechenden psychologischen Ausbildungsstufe keine grössere Anzahl von Elementen umfassen zu können.

Die untere Grenze andrerseits folgt daraus, dass eine so auf sich angewiesene Gruppe zu ihrem Sich-selbst-genügen und ihrer Erhaltung (-> 53) gewisse kollektiv-psychische Tatsachen ausbilden muss, die sich nun einmal nur oberhalb einer gewissen Zahlgrenze einzustellen pflegen: die Entschlossenheiten zu Offensive und Defensive, das Vertrauen eines jeden, die ihm nötigen Stützen und Ergänzungen jederzeit zu finden, vor allem: die religiöse Stimmung, deren Erhobenheit und Vergeistigung sich erst aus der Mischung vieler Beiträge, unter gegenseitiger Auslöschung ihres individuellen Sondercharakters, über den Einzelnen—oder: den Einzelnen über sich selbst — erhebt.
Die genannte Zahl hat vielleicht erfahrungsmässig den ungefähren Spielraum angegeben, über den und unter den die Gruppe nicht gehen konnte, wenn sie die Charakterzüge der patriarchalischen Hausfamilie ausbilden wollte.

Es scheint, als ob mit wachsender Individualisierung, jenseits dieser Kulturstufe, jene Intimitäten nur unter einer immer geringeren Personenzahl möglich wären, die Erscheinungen andrerseits, die an die Grösse der Familie appellierten, gerade einen immer wachsenden Kreis erforderten.

Die Bedürfnisse, die sich dort von oben und von unter her gerade an diesem numerischen Material realisierten, haben sich differenziert, ein Teil fordert ein kleineres, ein anderer ein grösseres, so dass sich später kein Gebilde mehr findet, das ihnen in derselben einheitlichen Weise wie jenes genugtun kann.

Abgesehen von solchen singulären Fällen haben alle derartigen Fragen, deren Typus das numerische Erfordernis für eine »Gesellschaft« ist, einen sophistischen Ton: wie viel Soldaten eine Armee ausmachen, wie viel Teilnehmer nötig sind, um eine politische Partei zu bilden, wie viel Mittuende zu einem Auflauf gehören. Sie scheinen die klassische Rätselfrage zu wiederholen: wie viel Weizenkörner einen Haufen geben?

Denn da ein, zwei, drei, vier Körner es noch keineswegs tun, tausend aber jedenfalls, so müsse doch zwischen diesen Zahlen eine Grenze liegen, an der das Hinzufügen eines einzigen Kornes die bisherigen zu einem »Haufen« ergänze; macht man aber diesen Versuch des Weiterzählens, so zeigt sich, dass niemand diese Grenze anzugeben vermag.

Der logische Grund dieser Schwierigkeiten liegt darin, dass eine quantitative Reihe gegeben ist, die wegen der relativen Geringfügigkeit jedes einzelnen Elementes als kontinuierliche, absatzlos aufsteigende erscheint, und dass diese von irgendeinem Punkte an die Anwendung eines qualitativ neuen, gegen den bisher angewandten sich unbedingt scharf absetzenden Begriffes gestatten soll. Dies ist offenbar ein widerspruchsvolles Verlangen: das Kontinuierliche kann eben seinem Begriffe nach nicht rein aus sich heraus einen plötzlichen Absatz und Umschlag rechtfertigen.

Die soziologische Schwierigkeit hat aber noch eine Komplikation, die jener der antiken Sophistik fern liegt. Denn unter dem »Haufen« von Körnern versteht man entweder eine Aufhäufung, und dann ist man zu jener Benennung logisch berechtigt, sobald überhaupt nur eine Schichtung über die unterste Lage hinaus eintritt; oder es soll damit nur ein Quantum bezeichnet werden, dann wird von einem Begriffe wie Haufen, der seinem Wesen nach ganz schwankend und unbestimmt ist, ungerechterweise verlangt, dass er seine Anwendung nur auf ganz bestimmte, (-> 54) unzweideutig begrenzte Realitäten dulden solle.

In jenen soziologischen Fällen aber treten bei gewachsener Quantität spezifisch neue Gesamterscheinungen auf, die bei niedrigerer nicht einmal pro rata vorhanden scheinen: eine politische Partei hat qualitativ andre Bedeutung als eine kleine Clique, einige zusammenstehende Neugierige zeigen andre Züge als ein »Auflauf« usw.

Die Unsicherheit, die diesen Begriffen aus der Unmöglichkeit, die entsprechenden Quanten numerisch festzulegen, kommt, lässt sich vielleicht auf folgende Weise beheben. Jenes Schwanken betrifft ersichtlich nur gewisse mittlere Grössen; gewisse niedere Zahlen bilden sicher noch nicht die fraglichen Kollektivitäten, gewisse ganz hohe bilden sie ganz fraglos.

Nun haben schon jene numerisch geringfügigeren Gebilde soziologische, für sie bezeichnende Qualitäten: die Zusammenkunft, die noch jenseits der »Gesellschaft« steht, der Soldatentrupp, der noch keine Armee ausmacht, die kooperierenden Spitzbuben, die noch keine »Bande« sind. 

Indem diesen Qualitäten nun die andern, für die grosse Gemeinschaft ebenso wenig zweifelhaften gegenüberstehen, lässt sich der Charakter der numerisch Dazwischenstehenden als aus beiden zusammengesetzt deuten—so dass jeder von beiden rudimentär in einzelnen Zügen sich fühlbar macht, bald auftaucht, bald verschwindet oder latent wird.

Indem also derartige, in der mittleren numerischen Zone gelegene Gebilde auch objektiv an dem entschiedenen Charakter der darunter und der darüber gelegenen partiell oder abwechselnd teilhaben, erklärt sich die subjektive Unsicherheit in der Bestimmung darüber, welchen von beiden sie angehören.

Es handelt sich also nicht darum, dass in einem soziologisch qualitätlosen Gebilde plötzlich, wie der Kristall in der Mutterlauge, eine ganz bestimmte soziologische Konstellation anschiessen soll, ohne dass man aber den Moment dieses Umschlages anzugeben wüsste; sondern darum, dass zwei verschiedenartige Formungen, jede aus einer Anzahl von Zügen bestehend und vielfach qualitativ abstufbar, sich unter gewissen quantitativen Bedingungen an einem sozialen Gebilde begegnen und es in mannigfaltigen Massen unter sich aufteilen; so dass die Frage, welcher von beiden es angehört, gar nicht an den Erkenntnisschwierigkeiten kontinuierlicher Reihen leidet, sondern einfach eine sachlich falsch gestellte ist.3)

(->55) Diese Ausmachungen also betrafen soziale Formungen, welche zwar von der Zahl der zusammenwirkenden Elemente abhängen, aber ohne dass unserem Erkennen diese Abhängigkeit hinreichend formulierbar wäre, um aus einzelnen bestimmten Zahlen ihre soziologischen Konsequenzen zu ziehen.
Indes ist dieses letztere nicht schlechthin ausgeschlossen, falls wir nur mit hinreichend einfachen Gebilden vorlieb nehmen. Wenn wir mit der unteren Grenze der Zahlenreihe beginnen, erscheinen arithmetisch bestimmte Grossen als eindeutige Voraussetzungen charakteristischer soziologischer Bildungen.

Die numerisch einfachsten Gestaltungen, die überhaupt noch als soziale Wechselwirkungen bezeichnet werden können, scheinen sich zwischen je zwei Elementen zu ergeben.

Dennoch gibt es ein äusserlich angesehen noch einfacheres Gebilde, das unter soziologische Kategorien gehört; nämlich — so paradox und eigentlich widerspruchsvoll es scheint —den isolierten Einzelmenschen.

Tatsächlich sind indes die Prozesse, die die Zweizahl der Elemente gestalten, oft einfacher, als die für die soziologische Charakterisierung der Einzahl erforderlichen.

Es handelt sich für diese letztere hauptsächlich um zwei hierher gehörige Erscheinungen: die Einsamkeit und die Freiheit.
Die blosse Tatsache, dass ein Individuum in keinerlei Wechselwirkung mit andren Individuen steht, ist freilich keine soziologische, aber sie erfüllt auch noch nicht den ganzen Begriff der Einsamkeit.

Dieser vielmehr, soweit er betont und innerlich bedeutsam ist, meint keineswegs nur die Abwesenheit jeder Gesellschaft, sondern gerade ihr irgendwie vorgestelltes und dann erst verneintes Dasein.

Ihren unzweideutig positiven Sinn erhält die Einsamkeit als Fernwirkung der Gesellschaft—sei es als Nachhallen vergangener oder Antizipation künftiger Beziehungen, sei es als Sehnsucht oder als gewollte Abwendung.

Der einsame Mensch ist nicht so charakterisiert, wie wenn er von jeher der einzige Erdbewohner wäre; sondern auch seinen Zustand bestimmt die Vergesellschaftung, wenn auch die mit negativem Vorzeichen versehene.

Das ganze Glück wie die ganze Bitternis der Einsamkeit sind doch nur verschiedenartige Reaktionen auf sozial erfahrene Einflüsse, sie ist eine Wechselwirkung, aus der das eine Glied nach Ausübung bestimmter Einflüsse real ausgeschieden ist (-> 56) und nur noch ideell im Geiste des andren Subjektes weiter lebt und weiter wirkt.

Sehr bezeichnend ist hierfür die bekannte psychologische Tatsache, dass das Einsamkeitsgefühl selten bei wirklichem physischem Alleinsein so entschieden und eindringlich auftritt, wie wenn man sich unter vielen physisch ganz nahen Menschen—in einer Gesellschaft, in der Eisenbahn, im grossstädtischen Strassengewühl—fremd und beziehungslos weiss.

Es ist für die Konfiguration einer Gruppe durchaus wesentlich, ob sie so beschaffene Einsamkeiten in ihrer Mitte begünstigt oder überhaupt ermöglicht Enge und intime Gemeinschaften gestatten oft keine derartigen, gleichsam luftleeren Interzellularräume in ihrer Struktur.

Wie man aber von einem sozialen Defizit spricht, das sich in bestimmten Proportionen zu den gesellschaftlichen Bedingungen erzeugt: die antisozialen Erscheinungen der Verkümmerten, der Verbrecher, der Prostituierten, der Selbstmörder—so erzeugt eine gegebene Quantität und Qualität des gesellschaftlichen Lebens eine gewisse Zahl von zeitweise oder chronisch einsamen Existenzen, die nur freilich die Statistik nicht so wie jene zahlenmässig feststellen kann.

In anderer Weise wird die Einsamkeit soziologisch bedeutsam, sobald sie nicht mehr aus einer in einem Individuum sich abspielenden Beziehung zwischen ihm und einer bestimmten Gruppe oder dem Gruppenleben im allgemeinen besteht, sondern als Pause oder periodische Differenzierung innerhalb eines und desselben Verhältnisses auftritt.

Dies wird an solchen wichtig, die ihrem Grundgedanken nach gerade auf dauernde Verneinung der Einsamkeit gerichtet sind, wie also vor allem die monogamische Ehe.

Soweit sich in dem Bau derselben die feinsten innerlichen Nuancen ausdrücken, ist es ein wesentlicher Unterschied, ob Mann und Frau bei dem vollkommenen Glück des Zusammenlebens sich doch noch die Freude an der Einsamkeit bewahrt haben, oder ob ihr Verhältnis niemals durch die Hingabe an diese unterbrochen wird—sei es, weil die Gewöhnung des Zusammenseins ihr den Reiz genommen hat, sei es, weil ein Mangel an innerer Sicherheit der Liebe derartige Unterbrechungen als Treulosigkeiten oder, schlimmer, als Gefahren für die Treue fürchten lässt.

So ist also die Einsamkeit, scheinbar eine auf das Einzelsubjekt beschränkte, in der Verneinung der Sozialität bestehende Erscheinung, doch von sehr positiv- soziolgischer Bedeutung: nicht nur von der Seite des Subjektes her, in dem sie als bewusste Empfindung ein ganz bestimmtes Verhältnis zur Gesellschaft darstellt, sondern auch durch die entschiedene Charakteristik, die ihr Vorkommen als Ursache wie als Wirkung sowohl umfänglichen Gruppen wie intimsten Verhältnissen verleiht.

Auch die Freiheit hat unter der Vielheit ihrer soziologischen Bedeutungen eine hierher gehörige Seite. Auch sie erscheint zunächst als die blosse Verneinung gesellschaftlicher Verbindung; denn jede Verbindung ist eine Bindung.

Der Freie bildet eben nicht mit andren zusammen eine Einheit, sondern ist eine solche für sich selbst. Nun mag es eine Freiheit geben, die in dieser blossen Beziehungslosigkeit, in der blossen Abwesenheit jeder Beschränkung durch andre Wesen besteht: ein christlicher oder indischer Eremit, (-> 57) ein einsamer Siedler im germanischen oder amerikanischen Walde mag eine Freiheit in dem Sinne geniessen, dass seine Existenz durchgehends von andren als sozialen Inhalten ausgefüllt ist; ebenso etwa ein Kollektivgebilde, eine Hausgemeinschaft oder ein Staatswesen, das völlig inselhaft existiert, ohne Nachbarn und ohne Beziehung zu andren Gebilden.

Für ein Wesen indes, das mit andren in Verbindung steht, hat Freiheit eine viel positivere Bedeutung. Sie ist eine bestimmte Art der Beziehung zu der Umgebung, eine Korrelationserscheinung, die ihren Sinn verliert, wenn kein Gegenpart da ist. Sie hat diesem gegenüber zwei für die tiefere Struktur der Gesellschaft äusserst wichtige Bedeutungen.

1. Für den sozialen Menschen ist Freiheit weder ein von vornherein gegebener, selbstverständlicher Zustand, noch ein ein für allemal erworbenes Eigentum von gleichsam substanzieller Festigkeit.

Schon deshalb nicht, weil jeder einzelne prinzipielle Anspruch, der überhaupt die Kraft des Individuums nach einer bestimmten Richtung hin engagiert, eigentlich die Tendenz hat, ins Unbegrenzte zu gehen; fast alle Beziehungen—staatliche, parteiliche, familiäre, freundschaftliche, erotische — stehen wie von selbst auf einer schiefen Ebene und spinnen ihre Forderungen, wenn man sie sich selbst überlässt, über den ganzen Menschen hin, sie werden, für das Gefühl oft unheimlich, von einer ideellen Sphäre umgeben, von der man eine Reserve ihnen entzogener Kräfte, Hingaben, Interessen erst ausdrücklich abgrenzen muss.

Es ist aber nicht nur die Extensität der Ansprüche, durch die der soziale Egoismus jeder Vergesellschaftung die Freiheit ihrer Elemente bedroht, sondern schon die Rücksichtslosigkeit, mit der auch der ganz einseitige und eingeschränkte Anspruch einmal bestehender Verbindungen auftritt.

Jede solche pflegt ihre Rechte mit voller Unbarmherzigkeit und Gleichgültigkeit gegen sonstige Interessen und Pflichten—mögen sie mit ihr harmonisch oder völlig unverträglich sein—geltend zu machen und beschränkt durch diesen Charakter ihres Auftretens die Freiheit des Individuums nicht minder als durch ihre quantitative Erstreckung.

Dieser Form unsrer Verhältnisse gegenüber zeigt sich Freiheit als ein fortwährender Befreiungsprozess, als ein Kampf nicht nur um die Unabhängigkeit des Ich, sondern auch um das Recht, selbst in der Abhängigkeit in jedem Augenblick mit freiem Willen zu beharren —als ein Kampf, der nach jedem Siege erneuert werden muss.

Die Ungebundenheit als negativ-soziales Verhalten ist also in Wirklichkeit fast niemals ein ruhender Besitz, sondern ein unaufhörliches Sichlösen aus Bindungen, die unaufhörlich das Fürsichsein des Individuums entweder real einschränken oder ideell einzuschränken streben, die Freiheit ist kein solipsistisches Sein, sondern ein soziologisches Tun, kein auf die Einzahl des Subjektes beschränkter Zustand, sondern ein Verhältnis, wenn auch freilich vom Standpunkt des einen Subjekts aus betrachtet.

2. Wie nach ihrer funktionellen, so ist die Freiheit auch nach ihrer inhaltlichen Seite hin etwas ganz andres als die Ablehnung von Beziehungen, als die Unberührtheit der individuellen Sphäre durch daneben gelegene. Das folgt aus dem sehr einfachen Gedanken, dass (->58) der Mensch doch nicht nur frei sein, sondern seine Freiheit auch zu etwas gebrauchen will.

Dieser Gebrauch aber ist grossenteils nichts andres als die Beherrschung und Ausnutzung andrer Menschen. Für das soziale, d. h. in ständigen Wechselbeziehungen mit andren lebende Individuum würde die Freiheit in unzähligen Fällen ganz ohne Inhalt und Zweck sein, wenn sie nicht die Erstreckung seines Willens auf jene andren ermöglichte oder ausmachte.

Sehr richtig bezeichnet unsre Sprache gewisse Brüskierungen und Vergewaltigungen damit, dass man sich »eine Freiheit gegen jemanden herausnimmt«, und ebenso haben viele Sprachen ihr Wort für Freiheit im Sinne von Recht oder Vorrecht verwandt.

Der bloss negative Charakter der Freiheit als einer Beziehung des Subjektes auf sich selbst ergänzt sich so nach beiden Seiten hin zu einem sehr positiven: die Freiheit besteht zum grossen Teil in einem Prozesse der Befreiung, sie erhebt sich über und gegenüber einer Bindung und findet erst als Reaktion gegen diese Sinn, Bewusstsein und Wert; und sie besteht nicht weniger aus einem Machtverhältnis zu andren, aus der Möglichkeit, sich innerhalb eines Verhältnisses zur Geltung zu bringen, aus der Verpflichtung oder Unterwerfung andrer, an der die Freiheit nun erst ihren Wert und ihre Verwertung findet.

Der auf das Subjekt an und für sich beschränkte Sinn der Freiheit ist so nur wie die Wasserscheide zwischen diesen beiden sozialen Bedeutungen ihrer: dass das Subjekt von andren gebunden ist und andre bindet.

Er schrumpft sozusagen auf null zusammen, Und den eigentlichen Sinn der Freiheit, auch wo sie als Qualität des einzelnen vorgestellt wird, doch als diese zweiseitige soziologische Beziehung zu enthüllen.

Da es nun so oft vielgliedrige und indirekte Konnexe sind, durch die Bestimmungen wie Einsamkeit und Freiheit dennoch als soziologische Beziehungsformen bestehen—so bleibt eben die methodisch einfachste soziologische Formation die zwischen zwei Elementen wirksame.

Sie gibt das Schema, den Keim und das Material für unzählige mehrgliedrige ab; obgleich ihre soziologische Bedeutung keineswegs nur auf ihren Ausdehnungen und Vermannigfaltigungen beruht. Vielmehr ist sie selbst schon eine Vergesellschaftung, an der nicht nur viele Formen einer solchen überhaupt sich sehr rein und charakteristisch verwirklichen, sondern die Beschränkung auf die Zweizahl der Elemente ist sogar die Bedingung, unter der allein eine Reihe von Beziehungsformen hervortritt.

Das typisch soziologische Wesen derselben offenbart sich dann daran, dass nicht nur die grösste Vielfältigkeit der Individualitäten und der vereinigenden Motive die Gleichheit dieser Formungen nicht alteriert, sondern dass eben diese sich gelegentlich ebenso zwischen je zwei Gruppen — Familien;, Staaten, Verbindungen verschiedener Art—wie zwischen je zwei Einzelpersonen ergeben.

Die besondere Charakterisierung eines Verhältnisses durch die Zweizahl der Teilnehmer zeigen ganz alltägliche Erfahrungen: wie ganz anders ein gemeinsames Los, ein Unternehmen, ein Einverständnis, ein geteiltes Geheimnis zweier jeden der Teilnehmer bindet, als wenn auch nur drei daran teilhaben.
Vielleicht ist dies (-> 59) für das Geheimnis am charakteristischsten, indem die allgemeine Erfahrung zu zeigen scheint, dass dieses Minimum, mit dem das Geheimnis die Grenze des Fürsichseins überschreitet, zugleich das Maximum ist, mit dem seine Bewahrung einigermassen gesichert ist.

Eine geheime kirchlich-politische Gesellschaft, die sich anfangs des 19. Jahrhunderts in Frankreich und Italien bildete, hatte verschiedene Grade, derart, dass die eigentlichen Bundesgeheimnisse nur den höheren von diesen bekannt waren; besprochen aber durften sie immer nur zwischen je zwei Angehörigen jener Hochgrade werden.

Als so entscheidend also wird die Grenze der Zwei empfunden, dass sie, wo sie schon dem Wissen nach nicht eingehalten werden kann, doch dem Aussprechen nach bewahrt wird .

Ganz im allgemeinen nun wird der Unterschied der Zweierverbindung zu den mehrgliedrigen dadurch bestimmt, dass jenes Verhältnis, als Einheit aus seinen Individuen, zu jedem der Teilnehmer anders steht, als mehrgliedrige Gebilde zu den ihrigen.

So sehr es nämlich dritten gegenüber als selbständige, überindividuelle Einheit erscheinen mag, so ist das doch in der Regel für seine Teilnehmer nicht der Fall, sondern jeder sieht sich eben nur dem andern, aber nicht einer über ihn hinausreichenden Kollektivität gegenüber.

Das Sozialgebilde ruht unmittelbar auf dem einen und auf dem andern. 

Der Austritt jedes einzelnen würde das Ganze zerstören, so dass es nicht zu jenem überpersönlichen Leben desselben kommt, das der einzelne als von sich unabhängig fühlt; wogegen selbst schon bei einer Vergesellschaftung von dreien bei Ausscheiden eines einzelnen noch immer eine Gruppe weiter bestehen kann.

Diese Abhängigkeit der Zweiergruppen von der reinen Individualität des einzelnen Gliedes lässt die Vorstellung ihrer Existenz in näherer und fühlbarerer Weise von der ihres Endes begleitet sein, als es bei andern Vereinigungen der Fall ist, von denen jegliches Mitglied weiss, dass sie nach seinem Ausscheiden oder seinem Tode weiterexistieren können.

Wie nun das Leben des Individuums durch seine Vorstellung von seinem Tode in bestimmter Weise gefärbt wird, so auch das Leben der Vereinigungen. Unter »Vorstellung« ist hier nicht nur der theoretische, bewusste Gedanke verstanden, sondern ein Teil oder eine Modifikation unsres Seins.

Der Tod steht nicht wie ein Schicksal vor uns, das in irgendeinem Augenblick eintreten wird, vorher aber nur als Idee oder Prophezeiung, als Furcht oder Hoffnung da ist, ohne in die Realität dieses Lebens bis zu ihm hin einzugreifen.

Sondern, dass wir sterben werden, ist eine von vornherein dem Leben einwohnende Qualität, in all unsrer lebendigen Wirklichkeit ist etwas, was nachher als unser Tod nur seine letzte Phase oder Offenbarung findet: wir sind, von unsrer Geburt an, solche, die sterben werden.

Freilich sind wir es auf verschiedene Weise; nicht nur die Art, wie wir subjektiv diese Beschaffenheit und ihren Schlusseffekt vorstellen und auf ihn reagieren, ist verschieden, sondern die Art, wie sich dieses Element unsres Seins mit dessen andren Elementen verwebt, ist von äusserster Mannigfaltigkeit.

Und so ist es mit den Gruppen. Jede vielgliedrige Gruppe kann ihrer Idee nach unsterblich sein, und dies gibt jedem (- > 60) ihrer Mitglieder als solchem, mag es im Persönlichen zum Tode stehen wie es will, ein ganz bestimmtes soziologisches Gefühl. 4)

Dass aber eine Vereinigung von zweien zwar nicht ihrem Leben nach, aber ihrem Tode nach von jedem ihrer Elemente für sich allein abhängt,—denn zu ihrem Leben bedarf sie des zweiten, aber nicht zu ihrem Tode—das muss die innere Gesamtattitüde des Einzelnen zu ihr, wenn auch nicht immer bewusst und nicht immer gleichmässig, mitbestimmen.

Es muss diesen Verbindungen für das Gefühl einen Ton von Gefährdung und von Unersetzlichkeit geben, der sie zu dem eigentlichen Ort einerseits einer echten soziologischen Tragik, andrerseits einer Sentimentalität und elegischen Problematik macht.

Dieser Ton wird überall mitschweben, wo das Ende der Vereinigung in ihre positive Struktur organisch eingewachsen ist.

Aus einer nordfranzösischen Stadt wurde unlängst von dem seltsamen »Verein des zerbrochenen Tellers« berichtet.

Vor Jahren wären dort einige Industrielle zu einem Mahle vereinigt gewesen. 

Als während dessen ein Teller zur Erde fiel und zerbrach, bemerkte jemand zufällig, dass die Zahl der Splitter genau die der anwesenden Personen war— ein Omen, auf das hin diese sich zu einem Freundschaftsverein zusammenschlossen, in dem jeder dem andern Dienst und Hilfe schulden solle.

Jeder der Herren nahm einen Splitter des Tellers mit sich. Wenn einer von ihnen stirbt, so wird sein Porzellanscherben dem Vorsitzenden wieder zugestellt, der die ihm eingehändigten Stücke zusammenleimt.

Der letzte Ueberlebende soll dann das letzte Stück einfügen, und der somit wiederhergestellte Teller muss darauf verscharrt werden.

Der Verein des »zerbrochenen Tellers« ist damit endgültig aufgelöst und verschwunden.

Zweifellos wäre der Gefühlston innerhalb dieses Vereins und ihm gegenüber ein völlig veränderter, wenn neue Mitglieder zugelassen und damit sein Leben ins Unbestimmte perpetuiert würde.

Dass er von vornherein zu einem solchen designiert ist, der sterben wird, gibt ihm ein besonderes Cachet—das die Vereinigungen zu zweien eben von vornherein und durch die numerische Bedingtheit ihres Baues besitzen.

Aus dem gleichen strukturellen Grunde sind auch eigentlich nur Verhältnisse zu zweien der eigentümlichen Färbung oder Entfärbung, die wir als Trivialität bezeichnen, ausgesetzt.

Denn nur wo der Anspruch an eine Individualität der Erscheinung oder Leistung vorliegt, erzeugt deren Ausbleiben das Gefühl der Trivialität.

Es ist noch kaum hinreichend beobachtet, wie Verhältnisse, bei völlig ungeändertem Inhalt, durch die mitschwebende Vorstellung gefärbt werden, wie häufig oder wie selten gleich geartete sind.

Es sind keineswegs nur erotische Beziehungen, die durch die Vorstellung: ein solches Erlebnis habe es überhaupt noch nicht gegeben — einen besonderen und bedeutsamen Timbre, ganz über ihren sonst angebbaren Inhalt und Wert hinaus, bekommen.
Wie es vielleicht kaum einen Gegenstand äusseren Besitzes gibt, dessen Wert—nicht nur sein wirtschaftlicher Wert—nicht von der Seltenheit (-> 61) oder Häufigkeit von seinesgleichen bewusst oder unbewusst mitbestimmt würde, so ist auch vielleicht kein Verhältnis in seiner inneren Bedeutung für seine Träger von dem Faktor des Wie vielmal unabhängig; wobei dieses Wie vielmal auch die Repetitionen der gleichen Inhalte, Situationen, Erregungen innerhalb des Verhältnisses selbst bedeuten kann.

Mit der Empfindung der Trivialität begleiten wir ein gewisses Mass von Häufigkeit, von Bewusstsein der Wiederholtheit eines Lebensinhaltes, dessen Wert grade durch ein Mass von Seltenheit bedingt ist.

Nun scheint es, als ob das Leben einer überindividuellen gesellschaftlichen Einheit oder das Verhältnis des Einzelnen zu ihr sich dieser Frage überhaupt nicht stellte, als ob hier, wo der inhaltliche Sinn der Beziehung sich über die Individualität erhebt, auch ihre Individualität im Sinne der Einzigkeit oder Seltenheit keine Rolle spielte und ihr Ausbleiben deshalb nicht als Trivialität wirkte.

Dass den Verhältnissen zu zweien, der Liebe, der Ehe, der Freundschaft—oder auch solcher mehrgliedriger, die kein höheres Gebilde ergeben, wie oft die Geselligkeit—der Ton der Trivialität oft zur Verzweiflung und zum Verhängnis wird, beweist den soziologischen Charakter der Zweierformungen: sich an die Unmittelbarkeit der Wechselwirkung zu binden und jedem der Elemente die überindividuelle Einheit vorzuenthalten, die ihm gegenübersteht, indem es zugleich an ihr teil hat.

Dass das soziologische Geschehen so innerhalb des personalen Aufeinander-Angewiesenseins verbleibt, ohne zur Bildung eines, die Elemente überwachsenden Ganzen aus ihnen vorzuschreiten—wie es eben prinzipiell bei den Zweiergruppen vorliegt—, ist weiterhin die Basis der »Intimität«.

Diese Charakteristik eines Verhältnisses scheint mir auf die zunächst individuelle Neigung zurückzugehen: dass der Mensch gern dasjenige, was ihn von andern unterscheidet, das qualitativ Individuelle, als den Kern, Wert und Hauptsache seiner Existenz ansieht — eine keineswegs immer gerechtfertigte Voraussetzung, da an vielen umgekehrt gerade das Typische, das mit vielen Geteilte ihr Wesentliches und die Wertsubstanz ihrer Persönlichkeit ist.

Dies nun wiederholt sich an Vereinigungen. Auch ihnen liegt es nahe, das ganz Spezifische ihrer Inhalte, das ihre Teilnehmer nur miteinander, aber mit niemandem ausserhalb dieser Gemeinschaft teilen, zum Zentrum und zur eigentlichen Erfüllung dieser Gemeinschaft werden zu lassen.

Dies ist die Form der Intimität. Wohl in jedem Verhältnis mischen sich irgendwelche Bestandteile, die seine Träger eben nur in dieses und in kein andres hineingeben, mit solchen, die nicht gerade diesem Verhältnis eigen sind, sondern die das Individuum in gleicher oder ähnlicher Weise auch noch mit anderen Personen teilt.

Sobald nun jenes erste, die Binnenseite des Verhältnisses, als dessen Wesentliches empfunden wird, sobald seine gefühlsmässige Struktur es auf dasjenige stellt, was jeder nur diesem einzigen andern und niemandem sonst gibt oder zeigt—so ist die eigentümliche Färbung gegeben, die man Intimität nennt. 

Es ist nicht der Inhalt des Verhältnisses, auf dem diese ruht. 

Zwei Verhältnisse mögen in bezug auf die Mischung (-> 62) der individuell-exklusiven und der auch nach andern Seiten hin ausstrahlenden Inhalte ganz gleich stehen: intim ist nur dasjenige von ihnen, in dem die ersteren als die Träger oder als die Achse des Verhältnisses erscheinen. 

Wenn umgekehrt gewisse äussere oder Stimmungslagen uns relativ fremden Menschen gegenüber zu sehr persönlichen Äusserungen und Konfessionen, wie sie sonst nur dem Nächsten vorbehalten sind, veranlassen, so fühlen wir hier dennoch, dass dieser »intime« Inhalt der Beziehung sie noch nicht zu einer intimen macht; denn unser Gesamtverhältnis zu eben diesen Menschen ruht in seiner Substanz und seinem Sinn doch nur auf seinen allgemeinen, unindividuellen Bestandteilen und jener, zwar sonst vielleicht niemals offenbarte, ihm ausschliesslich eigene Inhalt lässt dennoch das Verhältnis, weil er nicht zur Basis seiner Form wird, ausserhalb der Intimität. 

Dass dies das Wesen der Intimität ist, macht sie so häufig zu einer Gefahr für enge Zweierverbindungen, vielleicht am meisten für die Ehe. 

Dass die Gatten die gleichgültigen »Intimitäten« des Tages, die Liebenswürdigkeiten oder Unliebenswürdigkeiten der Stunde, die allen Andern sorgfältig verborgenen Schwächen teilen—das legt es nahe, den Akzent und die Substanz des Verhältnisses gerade in dieses zwar völlig Individuelle, sachlich aber doch ganz Irrelevante zu verlegen, und dasjenige, was man auch mit Andern teilt, und was vielleicht das Wichtigste der Persönlichkeiten ist, das Geistige, Grosszügige, den allgemeinen Interessen Zugewandte, Objektive —als eigentlich ausserhalb der Ehe liegend zu betrachten, es allmählich aus ihr herauszuschieben.

Nun liegt es auf der Hand, wie sehr der Intimitätszug der Zweierverbindungen mit ihrem soziologischen Spezifikum zusammenhängt keine höhere Einheit über ihre individuellen Elemente hinaus zu bilden. 

Denn diese Einheit, so sehr ihre konkreten Träger eben nur jene beiden sind, wäre doch gewissermassen ein drittes, das sich irgendwie zwischen sie drängen kann. Je umfänglicher eine Gemeinschaft ist, desto leichter bildet sich einerseits eine objektive Einheit über den Einzelnen, und desto unintimer wird sie andrerseits; diese beiden Züge sind innerlich verbunden. 

Dass man in einem Verhältnis eben nur den Andern sich gegenübersieht, und nicht zugleich ein objektives, überindividuelles Gebilde als bestehend und wirksam fühlt, —das ist schon in Verhältnissen zu dreien selten in voller Reinheit wirklich, und ist doch die Bedingung der Intimität. 

Dass so ein Drittes, das aus den beiden Subjekten einer Vereinigung selbst herausgewachsen ist, deren intimsten Sinn unterbricht, ist für die feinere Struktur der Gruppierungen zu zweien bezeichnend; und es gilt so prinzipiell, dass selbst die Ehe, sobald sie zu einem Kinde geführt hat, ihm manchmal unterliegt. Es lohnt, dies zur Charakterisierung der Verbindungen zweier Elemente mit einigen Worten zu begründen.

Wie der Dualismus, der die Form unsrer Lebensinhalte zu bilden pflegt, auf Versöhnungen drängt, deren Gelingen ebenso wie ihr Misslingen jenen um so klarer erweist—so drängen, als das erste Beispiel oder Urbild hiervon, Männliches und Weibliches zueinander, (-> 63) zu der Vereinigung, die gerade nur durch die Gegensätzlichkeit beider möglich wird und die gerade vor dem leidenschaftlichsten Zueinander-, Ineinander-Wollen als etwas im tiefsten Grunde Unerreichbares steht.

Dass es dem Ich versagt bleibt, das Nicht-Ich wirklich und absolut zu ergreifen, wird nirgends tiefer fühlbar als hier, wo die Gegensätze doch auf die Ergänzung und Verschmelzung hin geschaffen scheinen.

Die Leidenschaft sucht die Grenzen des Ich niederzureissen und das eine in das andere aufzuheben; aber nicht sie werden zur Einheit, sondern eine neue Einheit entsteht: das Kind. 

Und die eigentümlich dualistische Bedingung seines Werdens: Eine Nähe die doch Entferntheit bleiben muss, und ihr äusserstes, das die Seele will, nie erreichen kann, und eine Entferntheit, die sich doch ins Unendliche dem Einswerden nähert—mit dieser steht auch das Gewordene zwischen seinen Erzeugern, und die variierenden Stimmungen dieser lassen bald das eine, bald das andere wirksam werden.

So kommt es, dass kalte, innerlich fremde Ehen sich kein Kind wünschen, weil es verbindet: seine Einheitsfunktion hebt sich auf dem Grunde jener dominierenden Fremdheit um so wirksamer, aber auch um so unerwünschter ab.

Manchmal aber wollen auch gerade sehr leidenschaftliche und innige Ehen kein Kind — weil es trennt. Das metaphysische Einssein, zu dem die beiden nur miteinander zu verschmelzen begehrten, ist ihnen nun gleichsam aus der Hand geglitten und steht ihnen als ein Drittes, Physisches, gegenüber, das zwischen ihnen vermittelt.

Aber eine Vermittlung eben muss denen, die die unmittelbare Einheit suchten, als eine Trennung erscheinen, wie eine Brücke zwar zwei Ufer verbindet, aber doch auch den Abstand zwischen ihnen messbar macht; und wo Vermittlung überflüssig ist, ist sie schlimmer als überflüssig.

Dennoch scheint gerade die monogamische Ehe von dem hier wesentlich gewordenen soziologischen Charakter der Zweiergruppierungen: der durch das Ausbleiben der überpersönlichen Einheit gegeben ist —eine Ausnahme machen zu müssen.

Die gar nicht seltene Tatsache, dass es zwischen durchaus wertvollen Persönlichkeiten entschieden schlechte Ehen und zwischen recht mangelhaften sehr gute gibt, weist zunächst darauf hin, dass dieses Gebilde, so sehr es von jedem der Teilnehmer abhängig ist, doch einen Charakter haben kann, der mit dem keines Teilnehmers zusammenfällt.

Wenn etwa jeder der Gatten an Wirrnissen, Schwierigkeiten, Unzulänglichkeiten leidet, aber diese gleichsam auf sich zu lokalisieren versteht, während er in das eheliche Verhältnis nur sein Bestes und Reinstes hineingibt, dieses von allen Abzügen der Person frei hält—so mag dies zwar zunächst nur dem Gatten als Person gelten, aber es erhebt sich daraus doch das Gefühl, dass die Ehe etwas Überpersönliches ist, etwas an sich Wertvolles und Heiliges, das jenseits der Unheiligkeit jedes ihrer Elemente steht.

Indem sich innerhalb eines Verhältnisses der eine nur nach der dem andern zugewandten Seite hin empfindet, sich nur mit Rücksicht auf ihn benimmt, gewinnen seine Eigenschaften, obgleich sie natürlich immer die seinigen sind, doch eine ganz andre Färbung, Stellung, Bedeutung, als wenn sie, auf das eigene Ich bezogen, sich nur in den (-> 64) Gesamtkomplex dieses verweben.

Daraufhin kann für das Bewusstsein jedes der beiden das Verhältnis zu einer Wesenheit ausserhalb seiner kristallisieren, die mehr und Besseres —unter Umständen auch Schlechteres - ist als er selbst, gegen die er Verpflichtungen hat, und von der ihm, wie von einem objektiven Sein, Güter und Schicksale kommen.
In bezug auf die Ehe wird diese Enthebung der Gruppeneinheit aus ihrem Gebautsein auf das blosse Ich und Du durch zweierlei Umstände erleichtert. Zunächst durch ihre unvergleichliche Enge.

Dass zwei so grundverschiedene Wesen wie Mann und Weib eine derartig enge Vereinigung bilden; dass der Egoismus des einzelnen so gründlich nicht nur zugunsten des andren, sondern zugunsten des Gesamtverhältnisses, das die Familieninteressen, die Familienehre, vor allem die Kinder einschliesst, aufgehoben wird - das ist eigentlich ein Wunder, das geht auf die rationalistisch nicht mehr erklärbaren, jenseits des bewussten Ich gelegenen Grundlagen eben dieses zurück.

Und dasselbe drückt sich in der Scheidung dieser Einheit von ihren singulären Elementen aus: dass ein jedes von diesen das Verhältnis als etwas empfindet;, das ein eigenes Leben mit eigenen Kräften lebt, ist nur eine Formulierung seiner Inkommensurabilität mit dem, was wir als das persönliche und aus sich begreifliche Ich vorzustellen pflegen.

Dies wird nun weiterhin durch die Ueberindividualität der Eheformen im Sinne ihrer sozialen Reguliertheit und historischen Ueberliefertheit sehr gefördert. So unermesslich verschieden der Charakter und Wert der Ehen auch sei—niemand kann zu entscheiden wagen, ob mehr oder weniger verschieden als Einzelindividuen — so hat doch schliesslich kein Paar sich die Eheform erfunden, sondern diese gilt innerhalb jedes Kulturkreises als eine relativ feste, der Willkür entrückte, durch individuelle Färbungen und Schicksale in ihrem formalen Wesen nicht berührte.

In der Geschichte der Ehe ist es auffallend, eine wie grosse—und zwar immer traditionelle—Rolle dritte Personen, oft nicht einmal Verwandte, bei der Werbung, den Ausmachungen über die Mitgift, den Hochzeitsgebräuchen spielen —bis zum eheschliessenden Priester.

Diese unindividuelle Initiation des Verhältnisses symbolisiert sehr fühlbar die soziologisch unvergleichbare Struktur der Ehe: dass die allerpersönlichste Beziehung sowohl nach der Seite des inhaltlichen Interesses, wie der formalen Gestaltung hin von schlechthin überpersönlichen, geschichtlichsozialen Instanzen aufgenommen und gelenkt ist.

Dieser Einschuss tradierter Elemente in das eheliche Verhältnis, das es der individuellen Freiheit in der Gestaltung etwa des Freundschaftsverhältnisses bedeutsam entgegensetzt und im wesentlichen nur Annahme oder Ablehnung, aber keine Abänderung gestattet, begünstigt ersichtlich das Gefühl einer objektiven Gestaltung und überpersönlichen Einheit in der Ehe; obgleich jeder von beiden Teilnehmern nur den einzigen andren sich gegenüber hat, so fühlt er sich doch mindestens partiell so, wie sonst nur einer Kollektivität gegenüber: als der blosse Träger eines überindividuellen Gebildes, das in seinem Wesen und seinen Normen von ihm, der freilich ein organisches Glied desselben ist, dennoch unabhängig ist. (-> 65)

Es scheint als ob die moderne Kultur, indem sie den Charakter der einzelnen Ehe immer mehr individualisiert, doch die Ueberindividualitat, die den Kern ihrer soziologischen Form bildet, ganz unberührt lässt, ja, in mancher Hinsicht steigert.

Die Mehrfachheit der Ehearten - entweder zur Wahl der Kontrahenten gestellt oder nach ihren besonderen sozialen Positionen bestimmt — wie sie in Halbkulturen und hohen, vergangenen Kulturen vorkommt, erscheint zunächst als eine individuellere Form, die der Differenziertheit der einzelnen Fälle besonders nachgiebig ist.

In Wirklichkeit liegt es umgekehrt: jede dieser verschiedenen Arten ist dennoch etwas durchaus Unindividuelles, sozial Vorgeformtes, und ist durch ihren Ansatz von Besonderung viel enger und gewalttätiger, als eine ganz allgemeine und durchgehend festgehaltene Eheform, deren abstrakteres Wesen notwendig den persönlichen Differenziertheiten grösseren Spielraum gestatten muss.

Dies ist eine durchgehende soziologische Formierung: es besteht eine viel grössere Freiheit des individuellen Verhaltens und Gestaltens, wenn die soziale Fixierung das ganz Allgemeine betrifft, wenn allen einschlägigen Verhältnissen eine durchgehende Form sozial auferlegt ist - als wenn, mit scheinbarem Eingehen auf individuelle Lagen und Bedürfnisse die sozialen Festsetzungen sich selbst in allerhand Sonderformen spezialisieren.

Das wirklich Individuelle wird in letzteren Falle viel mehr präjudiziert, die Freiheit für Differenzierungen ist grösser, wenn die Unfreiheit ganz allgemein durchgehende Züge betrifft So gibt die Einheit der modernen Eheform sicher einen weiteren Spielraum für besondere Ausgestaltungen, als eine Mehrheit sozial vorgeprägter Formen es tut — während sie durch ihre ausnahmslose Allgemeinheit allerdings das Cachet der Objektivität, der selbständigen Geltung gegenüber allen individuellen Modifikationen, um die es sich jetzt für uns handelt, ausserordentlich steigert. (-> 66)

Etwas soziologisch Ähnliches könnte man noch an der Zweizahl der Associes eines Geschäftes erblicken. Obgleich dessen Gründung und betrieb vielleicht ausschliesslich auf dem Zusammenwirken dieser beiden Persönlichkeiten beruht, so ist doch der Gegenstand dieses Zusammenwirkens, das Geschäft oder die Firma, ein objektives Gebilde, gegen das jeder seiner Komponenten Rechte und Pflichten hat - vielfach nicht anders als irgendein dritter.

Dennoch hat dies einen andern soziologischen Sinn als im Falle der Ehe; denn »das Geschäft« ist infolge der Objektivität der Wirtschaft von vornherein etwas von der Person des Inhabers Getrenntes, und zwar bei einer Zweiheit der Inhaber nicht anders als bei einer Einzahl oder einer Vielzahl.

Das wechselwirkende Verhältnis der Teilnehmer zueinander hat seinen Zweck ausser sich, während es ihn bei der Ehe in sich hat; dort ist die Beziehung das Mittel zum Gewinn gewisser objektiver Ergebnisse, hier erscheint alles Objektive eigentlich nur als Mittel für die subjektive Beziehung.

Um so bemerkenswerter ist es, dass in der Ehe dennoch die den Zweigruppierungen sonst ferner liegende Objektivität und Selbständigkeit des Gruppengebildes gegenüber der unmittelbaren Subjektivität psychologisch aufwächst.

Anmerkungen

1) Vgl. die Ausführung hiervon in dem Kapitel über die Kreuzung der Kreise.  (zurück)

2) Die Klage über die Banalität in dem grossen gesellschaftlichen Verkehr zeigt deshalb völliges soziologisches Unverständnis. 

Der relativen Niedrigkeit des Niveaus, auf dem eine grössere aktuell zusammenbefindliche Menge sich zusammenfindet, ist prinzipiell nicht abzuhelfen.

Denn alle höheren und feineren Ausbildungen sind individueller Art und eignen sich deshalb nicht zu Gemeinsamkeitsinhalten, sie können allerdings vergesellschaftend wirken, wenn eine Einheit durch Arbeitsteilung erreicht werden soll— was aber ersichtlich innerhalb einer »Gesellschaft« nur in geringem Masse möglich ist und in höherem deren Wesen aufheben würde.

Es ist deshalb ein soziologisch durchaus richtiger Instinkt, wenn man das bemerklichere Hervortretenlassen der persönlichen Individualität in einer »Gesellschaft«—selbst das einer an sich bedeutenden und erfreulichen—oft als eine leise Taktlosigkeit empfindet.  (zurück)

3) Genauer aber ist die Sachlage wohl diese. Jeder bestimmten Zahl von Elementen entspricht je nach dem Zweck und Sinn ihrer Vereinigung eine soziologische Form, eine Organisierung, Festigkeit, Verhältnis des Ganzen zu den Teilen usw. - die mit jedem dazukommenden oder abtretenden Element irgendeine, wenn auch nur unermesslich kleine und nicht feststellbare Modifikation erfährt.

Da wir aber nicht für jeden dieser unendlich vielen soziologischen Zustände, selbst dann, wenn er uns in seinem Charakter merkbar ist, einen besonderen Ausdruck besitzen, so bleibt oft nichts übrig, als ihn aus zwei Zuständen—der eine gleichsam mehr, der andre weniger besagend — zusammengesetzt zu denken.

Jedenfalls handelt es sich dabei so wenig um eine Zusammensetzung, wie etwa bei den sogenannten Mischgefühlen von Freundschaft und Liebe oder Hass und Verachtung oder Lust und Schmerz.

Hier liegt—was uns noch später beschäftigen wird— meistens ein einheitlicher Gefühlszustand vor, für den wir nur keinen unmittelbaren Begriff haben, und den wir deshalb durch die Synthese und gegenseitige Einschränkung zweier andrer mehr umschreiben als beschreiben; hier wie auch sonst ist uns die eigentliche Einheit des Seienden nicht begreifbar, sondern wir müssen sie in eine Zweiheit von Elementen auflösen, deren keines sie ganz deckt um sie dann aus der Verwebung beider entstehen zu lassen.

Dies ist aber nur eine nachträglich mögliche begriffliche Analyse, die den wirklichen Werdeprozess, das eigne Sein jener Einheiten nicht nachzeichnet. Wo also die geprägten Begriffe für soziale Einheiten: Zusammenkunft und Gesellschaft, Truppe und Heer, Clique und Partei, Paar und Bande, persönliche Anhängerschaft und Schule Häuflein und Massenauflauf — keine sichere Anwendung finden, weil das Menschenmaterial für den einen zu wenig und für den andern zu viel zu sein, scheint, da liegt dennoch eine genau so einheitlich, der numerischen Bedingung genau so spezifisch entsprechende soziologische Formung vor. wie in jenen entschiedeneren Fällen. Nur dass der Mangel eines besonderen Begriffes für diese unzähligen Nuancen uns zwingt, ihre Qualitäten als eine Mischung der Formen zu bezeichnen, die den numerisch geringfügigeren und die den numerisch höheren Gebilden entsprechen. (zurück)

4) Vgl. die nähere Auseinandersetzung darüber in dem Kapitel über die Selbsterhaltung der Gruppe. (zurück)

Georg Simmel: Die quantitative Bestimmtheit der Gruppe, 2. Teil

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Editorial:

Prof. Hans Geser
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